Pamir Highway und Wakhan Valley

Ende September 2015 verliess ich die tadschikische Hauptstadt Dushanbe und fuhr auf dem Pamir Highway M41 in Richtung Osten. Der Abschnitt von Dushanbe nach Khorog war anfangs noch asphaltiert, dann wurde die Strassenqualität schlechter und schlechter, blieb jedoch immer (gut) befahrbar. Die Strasse, welche immer wieder von Schafherden blockiert wurden, führte mich auf den 3252 Meter hohen Khaburabot Pass und danach nach Qal’ai Khumb. Von Qal’ai Khumb führte die holprige Strasse dem Fluss Panj entlang, welcher die Grenze zwischen Tadschikistan und Afghanistan darstellt.

Schafe versperren den Pamir Highway.

Schafe versperren den Pamir Highway


In Khorog musste ich mich mit tadschikischer Bürokratie herumschlagen, damit ich 45 Tage im Land bleiben durfte und somit ohne Zeitdruck weiterfahren konnte. Anstatt auf dem Pamir Highway weiter zu fahren, entschied ich mich, dem Grenzfluss Panj durch das Wakhan Valley zu folgen. Die Landschaft im Wakhan Valley war traumhaft: Ein breites Tal und auf der afghanischen Seite sah ich immer wieder verschneite Berggipfel des Hindukuschs. Jedoch war die Strassenqualität teilweise schlecht, manchmal so schlecht, dass ich das Velo einige Meter durch Sand schieben musste. In den kleinen Shops im Wakhan Valley gab es im Allgemeinen kein Brot zu kaufen. Als ich einmal in einem Geschäft nach Brot fragte, holte die Verkäuferin ein Brot bei sich zu Hause und schenkte es mir. Ein anderes Mal schickte der Verkäufer seine Tochter nach Hause, damit sie mir ein Brot brachte, welches er mir dann umsonst mitgab. Von Khorog bis Langar, dem letzen Dorf im Wakhan Valley, befand ich mich immer unter 3000 Metern Höhe. Nach Langar stieg die staubige Strasse ziemlich schnell auf etwa 3500 Meter an und zum ersten Mal auf meiner Reise spürte ich die sogenannte „dünne Luft“, welche das Vorwärtskommen erschwerte. Über den 4344 Meter hohen Khargush Pass erreichte ich nach einigen sandigen Passagen erneut den asphaltierten Pamir Highway, welcher mich in der Hochgebirgswüste über den relativ flachen Naizatash Pass (4137 m.ü.M) weiter nach Murghab führte. Da mir unterwegs von einem Autofahrer erzählt wurde, dass seine letzte Nacht auf dem Plateau mit einer Temperatur von 4 Grad angenehm mild gewesen sei, kochte ich mir am Abend in meinem Zelt keinen Tee. Am nächsten Morgen war die Temperatur jedoch unter -10 Grad gesunken. Als dann die Sonne aufging und ans Zelt schien, dauerte es nur eine halbe Stunde und schon hatte ich angenehme 10 Grad im Zelt.
Unterwegs auf dem "Dach der Welt".

Unterwegs auf dem „Dach der Welt“


Ab Murghab stieg die Strasse während 70 Kilometer weitere 1000 Höhenmeter auf den Ak-Baital Pass an, welcher mit seiner Höhe von 4655 Metern den höchsten Punkt des Pamir Highways darstellt. Nach der Abfahrt vom Pass folgte ein langes Washboard (Waschbrettpiste, also eine unbefestigte Strasse, welche quer zur Fahrtrichtung liegende Bodenwellen aufweist). Manche Fahrradfahrer sagten mir, dass es 10 Kilometer Washboard seien, andere sprachen von 20 Kilometern. Ich achtete gar nicht auf die Anzeige meines Velocomputers, sondern fuhr einfach weiter und lenkte mich mit der Musik der schweizer Bands Container 6 und Major B. ab.
Pamir Highway in Tadschikistan

Der Pamir Highway in der Nähe des Karakul Lake


Der Pamir Highway führte mich dann dem Karakul Lake entlang und weiter über den 4232 Meter hohen Uy Bulak Pass. Nach dem Uy Bulak Pass hatte ich wieder einmal mit richtig starkem, eiskalten Gegenwind zu kämpfen. Leider hatte ich fast kein Wasser mehr dabei. Als ich dann neben der Strasse eine zugefrorene Senke sah, schlug ich die dünne Eisschicht mit einem Stein auf, füllte meinen Wasserkanister und stellte mein Zelt kurze Zeit später auf. Über den Kyzyl-Art Pass (4280 m.ü.M) verliess ich Tadschikistan und folgte dem Pamir Highway weiter bis in die kirgisische Ortschaft Sary-Tash, wo ich die M41 verliess und über den Irkeshtam Pass (3728 m.ü.M) nach China fuhr.

Schreibe einen Kommentar!